Blasenschwäche, Reizhusten

Frau G. war von Oktober 2008 bis November 2009 bei mir in Behandlung. Sie war Anfang 40, Lehrerin und hatte einen 14-jährigen Sohn. Ihre Beschwerden waren Schmerzen in der Halswirbelsäule, Reizhusten und ständiger Harndrang. Dieser sei teilweise unkontrollierbar, sie könne manchmal auch in der Öffentlichkeit das Wasser nicht halten, was ihr natürlich äußerst peinlich ist. Aus der chinesischen Medizin kennen wir den Zusammenhang zwischen Nieren-Blasen-Meridian und den Gefühlen der Angst: Frau G. gab auf Nachfragen an, sie spüre wenig Angst, während ihr Sohn, mit dem sie eine enge Verbindung hat, immer wieder phobische Ängste habe. Bisher waren nur ihre Nackensymptome mit Spritzen und Massagen behandelt worden. Sie war zögerlich im Vorgespräch, komme nur, weil Mann und Eltern sie „geschickt“ hätten, sie sei Naturwissenschaftlerin und zweifle daher meine Behandlungsmethoden an. Sie wolle keine Psychotherapie, sondern nur ein Verschwinden der Symptome. Eine Besserung würde sie daran bemerken, dass sie seltener auf die Toilette müsse.

In der ersten Therapiestunde behandle ich den Nacken und Rücken über lösende Druck- und Triggerpunkte. Frau G. ist sehr empfindlich, die Punkte schmerzen oft schon bei leichter Berührung. Gleichzeitig ist der ganze Körper angespannt wie ein Flitzebogen. Frau G. wirkt insgesamt abwehrend und kontrolliert. Auffällig ist, wie ich auf ihr gespanntes Energiefeld reagiere: ich muss während der Stunde ständig niesen. Dies ist äußerst ungewöhnlich. Offenbar reagiere ich mit einer vegetativen Resonanz, indem ich unbewusst Frau G.s innere Anspannung übernehme. Über das Niesen „entlädt“ sich mein Körper dann von dieser Spannung. – Nach der Behandlung hat Frau G. drei Tage sehr starke Nackenschmerzen, dann sind die Schmerzen verschwunden. (Diese Art Erstverschlimmerung ist bei der energetischen Arbeit häufig zu beobachten.)

In der vierten Stunde kommt sie mit einer Teetasse in der Hand vom Wartezimmer in den Behandlungsraum – ich bin erstaunt, da sie sonst Trinken bei mir wegen eventuellem Harndrang vermeidet. Sie sagt, sie könne jetzt auch mal eine Schulstunde ohne vorherigen Toilettengang durchstehen und sei gelassener mit ihrem Symptom. Der Nacken tut wieder weh – sie erzählt mir dann, dass sie zzt. 4-5 Stunden am Tag Klausuren korrigiert, was ihr überhaupt keine Freude macht. Ich frage sie, ob sie sich einen Zusammenhang zwischen der inneren Anspannung, dem inneren Nein und einem verspannten Nacken vorstellen könne. Sie achtet danach mehr auf einen möglichen Zusammenhang zwischen den Nackenschmerzen und Stress.

Nach zwei Monaten werden die Blasenbeschwerden wieder stärker. Auf Befragen gibt Frau G. an, dass zuhause das Bad umgebaut werde und sie Ärger mit ihrem Sohn habe. Das sei aber alles „kein Problem“. Es ist offenbar schwer für sie, Zugang zu ihren Gefühlen zu bekommen. Wut, Angst und Überforderung werden somatisiert. Sie kontrolliert sich stark: So ist es sogar schwer, tief und spontan auszuatmen, da man dann „ein Keuchen hören könne“.

Wir arbeiten weiter an der Entspannung über Druckpunke an Hals, Nacken, Schultern, Rücken und Beinen, und über die Vertiefung des Atems. Nach 10 Behandlungen ist die Blase deutlich besser zu kontrollieren, Frau G. trinkt jetzt auch schon mal „zwischendurch“, auch mal in der Schule einen halben Liter Flüssigkeit, und hält trotzdem die Schulstunden problemlos durch. Der Atem geht tiefer und der Nacken ist nur noch leicht verspannt. Sie verträgt jetzt normalen Druck auf die Triggerpunkte. Mein Niesen lässt nach. Ich zeige ihr Entspannungsübungen für den Alltag.

Nach 20 Behandlungen hat die Blase sich stabilisiert, manchmal spürt sie Druck, der dann aber auch wieder weggeht – erst viel später muss sie dann wirklich zur Toilette gehen. Der Reizhusten ist während des Urlaubs verschwunden, taucht aber zuhause wieder auf. Es ist schwer, sie für das Thema zu interessieren, wem oder was sie da „etwas husten“ möchte.

Nach einem Jahr mit insges. 24 Behandlungen beenden wir die Therapie. Es gibt zu der Zeit nur noch wenige Momente, wo sie dringend zur Toilette gehen möchte. Der Husten hat deutlich nachgelassen, der Schulter- und Nackenbereich bleibt auch bei Korrekturen von Klassenarbeiten viel entspannter. Der Kontakt zu ihrem Sohn hat sich verbessert. Ein Kollege bemerkte, dass sie in der Schule öfter gute Laune habe.

Fazit: man muss die Arbeit nicht verstehen, damit sie wirkt.