Asthma

Frau N. war von November 2007 bis Januar 2009, also gut ein Jahr, bei mir in Behandlung. Sie war Anfang 30, arbeitete in der Medienbranche und lebte mit ihrem Lebensgefährten zusammen. Frau N. litt unter Allergien und intensivem Asthma. Zu Therapiebeginn nahm sie über den Tag verteilt mindestens 6 Hübe ihres Asthmasprays, auch nachts musste sie manchmal sprayen. Das Asthma bessere sich im Urlaub und verschlimmere sich in Stresszeiten. Es habe schon im Alter von 6 Jahren begonnen.

Frau N. ist kräftig und energievoll, sie hat ein männliches Auftreten und Aussehen. Sie sagt, sie fühle sich oft eingeengt, in Schubladen gepresst. Sie möchte „das Gefängnis weiten“. Der Brustkorb ist in Einatmungsstellung fixiert und fühlt sich an wie „Beton“, die Arme sind hochgezogen, Kinn, Schultern und Rücken angespannt. Ärger, ein bei Asthma zentrales unterdrücktes Gefühl ist, kann sie im Alltag kurz zeigen, ist dann aber gleich wieder nett. Sie will sich nicht anpassen, aber doch von allen gemocht werden – ein sicher immer wieder spannungsreiches Unterfangen. Sie sagt von sich, sie sei innerlich immer „wie ein Sheriff unterwegs“, der aufpasse, dass anderen nichts getan wird; manchmal komme sie sich vor wie „der letzte Gutmensch“. Man kann sich vorstellen, dass das anstrengend ist.

Ich beginne mit entspannender Druckpunktbehandlung mit dem Focus Kehle, Schultern, Rücken, Zwerchfell und Brustkorb. Der Atem ist in der 3. Stunde wieder etwas freier. Frau N. berichtet, dass sie einen inneren Split wahrnimmt: in der unteren Körperhälfte ab dem Zwerchfell hat sie kaum Körperwahrnehmungen. Das entspricht dem typischen Verteilungsmuster bei Asthma: die Energie ist nicht gleichmäßig im Körper verteilt, sondern im überladenen Brustkorb „wie gefangen“, man kann nicht ausatmen, nicht loslassen.

Die energetische Arbeit ist ein Wechsel aus Entspannungsbehandlungen und starker vegetativer Mobilisierung über sog. Stresspositionen. Ziel ist es, die muskuläre Spannung zu reduzieren und die Energieverteilung zwischen Ober- und Unterkörper anzugleichen. Nach vier Monaten sind die Asthmasymptome auf unter 50 % gesunken, sie braucht statt vorher 6 nur noch 2 – 3 Hübe Asthmaspray pro Tag und keine in der Nacht. Mit einigem Auf und Ab bleibt das konstant bis zum Ende der Therapie nach weiteren elf Monaten. Eisprung und Periode verschlechtern den Atem, ansonsten geht es besser, der Brustkorb wird flacher und die Schultern sinken tiefer. Frau N. schläft jetzt besser und wacht nachts nicht mehr beim kleinsten Geräusch mit Atembeschwerden auf. In inneren Bildern und Träumen beginnt sie, sich von Mutter und Vater besser abzugrenzen. Auch im Alltag setzt sie ihre eigenen Interessen besser durch, statt nur für andere zu kämpfen. Sie ist aufmerksamer, was ihr eigentlich wirklich gut tut. Frau N. ist jetzt mehr nach innen orientiert, muss nicht mehr ständig gute Laune verbreiten und auf allen Feten tanzen. Sie plant mit ihrem Partner konkret eine immer wieder verschobene 6-wöchige Auslandsreise. Immer wieder greifen wir das Thema Weichheit, Nachgeben und Weiblichkeit auf. Frau N. wird weicher im Aussehen und in der Kleidung. Ihre Beziehung wird innerlicher, am Ende der Therapie – nach 32 Stunden – akzeptiert sie einen Heiratsantrag ihres Partners. Auch das Thema Kinder ist für beide nicht mehr ausgeschlossen.